Bild KI-generiert
Ein junger Buckelwal strandet auf einer Sandbank und sitzt fest. Durch eine großangelegte Rettungsaktion kann er sich zunächst befreien um etwas später auf der nächsten Sandbank festzusitzen. Dies wiederholt sich anschließend noch einmal. Sein gesundheitlicher Zustand verschlechtert sich und nun sieht es so aus, als würde Timmy es nicht schaffen. Die Anteilnahme ist groß, nicht nur in Deutschland. Medien verschiedener Länder rund um die Welt berichten fast stündlich über den Wal Timmy. Viele ehrenamtliche Helfer waren seit letztem Donnerstag (26.03.2026) an den zahlreichen Versuchen beteiligt den Meeressäuger zu retten und sind es zum Teil noch immer. Auch die dazugehörigen Kosten steigen stündlich. Der Hype um den jungen Wal ist riesengroß. Da drängt sich schon die Frage auf, warum in einer Welt, in der täglich tausende Tiere qualvoll sterben, weil der Mensch ihre Lebensräume verkleinert, verändert oder gar vernichtet hat, gerade der Wal Timmy eine derartige Welle der Empathie auslöst. Ist es das Verlangen nach positiven Nachrichten? Ist es, weil das Schicksal des Wals so sichtbar ist? Ist es die beeindruckende Größe des Tieres? Ist es Ablenkung? Versteht mich nicht falsch, ich habe mich am Freitagmorgen auch darüber gefreut zu hören, dass der Buckelwal die Sandbank in der Lübecker Bucht über Nacht verlassen konnte und sich auf den Weg Richtung offene Ostsee gemacht hat. Wahrscheinlich auch, weil es mal eine schöne, positiv rührende Nachricht zwischen den ganzen Meldungen von Krieg und Tod war.
Gleichzeitig spielen Umwelt und Klima in der Gesellschaft und somit auch bei Wahlkämpfen nur noch eine untergeordnete Rolle. Klima- und Umweltfragen haben an Bedeutung verloren: Zu teuer, zu unbequem. Viele leugnen immer noch die globale Erwärmung durch den Menschen und einige einflussreiche Länder fahren den Klima- und Umweltschutz sogar zurück. Passt das zusammen? Ja, vielleicht: Um Anteil an dem Schicksal des Wals zu nehmen, muss niemand (außer kurzzeitig die Helfer) seine Komfortzone verlassen. Um aktiv Umwelt und Klima zu schützen und damit am Ende auch sämtliche Lebewesen auf dieser Erde, allerdings schon. So erscheint es fast schon schizophren, wenn jemand jetzt in den Osterferien im Ferienflieger oder auf dem Kreuzfahrtschiff mit dem Smartphone die Live-Berichterstattung über das Schicksal des Buckelwals verfolgt, voller Hoffnung und dem innigsten Wunsch, dass Timmy es doch noch irgendwie schafft.
Ja, uns Menschen berühren Einzelschicksale oft mehr als Massensterben. Sie sind greifbarer und oft steht eine Geschichte dahinter, die berührt. Deshalb lohnt es sich vielleicht gerade in solchen Situationen zu appellieren, das große Ganze zu sehen und uns auch bemühen dies zu begreifen. Wenn all diejenigen auf der Welt, die gerade , in welcher Form auch immer, Empathie für Timmy zeigen ab morgen einen Schritt aus ihrer Komfortzone raustreten um einen kleinen Beitrag für den Umwelt- und Klimaschutz zu leisten, hilft das nicht Timmy selbst, aber vielen anderen Buckelwalen und Lebewesen auf der Erde, einschließlich uns Menschen. Dieser Schritt kann vielfältig aussehen: Weniger Strom verbrauchen, weniger Auto fahren (egal , welche Art von Auto!), weniger Server belasten durch ständige Nutzung von Social-Media, Änderung des Urlaubverhaltens, jeglichen Müll fachgerecht entsorgen bzw. vermeiden, Aufklärung betreiben, nachhaltige, möglichst langlebige Produkte kaufen, sich möglichst von regionalen Lebensmitteln ernähren, keine Produkte kaufen, für dessen Anbau Regenwald weichen muss usw. Aber auch mal die eigene Expertise dem Umwelt- und Klimaschutz zur Verfügung zu stellen oder einen technischen Beuf erlernen um sich an Forschung und Entwicklung zu beteiligen und vielleicht sogar neue Berufsfelder schaffen, all das würde vielen Lebewesen auf der Erde in Zukunft Leid ersparen.
Sascha Ackenhausen für wetterfreaks-norddeutschland